Kürzlich ist das Altstadtfest 2026 zu Ende gegangen. Und einige Menschen haben mich auf die 1000-Jahr-Feier in Hersbruck im Jahr 1976 angesprochen. Wenn etwas 50 Jahre her ist, bewegt es doch den einen oder anderen. Vor einiger Zeit hatten die Altstadtfreunde bei mir angefragt, ob ich nicht noch Bilder und Texte von damals habe, weil doch mein Vater mit am Buch 1000 Jahre Hersbruck geschrieben hatte. Das hatte mich angetrieben, mal im Nachlass meines Vaters Dr. Rudolf Geiger zu wühlen. Die Aufzeichnungen, die die Geschichte unserer Region betreffen und seine Dissertation zu Hersbruck hatte ich natürlich aufgehoben. Das ist der Sohn dem Historiker schuldig. Doch weder Stadt Hersbruck noch die Altstadtfreunde konnten sich dazu durchringen, etwas zu dem 50. Jubiläum zu machen. Auf alle Fälle hat mein Vater einen ganzen Ordner mit Unterlagen zur damaligen Entstehung und der Feier gesammelt. Mit Programmen, Plakaten, Plastiktaschen, Protokollen und und und.
Doch wie hat das damals eigentlich alles angefangen?

Am 21. Juli 1975 schrieb Gert Bergmann einen Brief mit dem Betreff „1000 Jahre Hersbruck“, an Bürgermeister Hans Endres, den Stadtrat, HZ, Verkehrsbüro und Hotel- und Gaststättenverband. In diesem Brief schreibt er, dass er in der „Chronik der königlich baierischen Stadt Hersbruck“, bearbeitet 1872 von Pfarrer Theodor Wilhelm Ulmer, die erste urkundliche Erwähnung Hersbrucks im Jahre 976 gelesen hat. Bergmann nennt eine Urkunde von 976 von Kaiser Otto II. und bezieht sich auf die in der Dissertation meines Vaters genannte Schenkung von 976 an das Kloster Bergen. Bei der Gelegenheit regt er gleich eine 1000-Jahr-Feier an, mit Programm und Festschrift und meint, der Ministerpräsident hätte über Landrat Lange schon sein Kommen zugesagt.
Am 24. Juli 1975 schrieben dann, unabhängig voneinander, Bürgermeister Hans Endres und FRB Vorsitzender Dr. Richard Pemsel meinen Vater an, um seine Expertise zu erbitten, ob man denn guten Gewissens 1976 eine 1000-Jahr-Feier durchführen könne. Weil doch „in einer anderen Chronik eher auf die erste urkundliche Erwähnung in den Jahren 1003 bis 1010 hingewiesen wird“ hatte man in Stadtrat und Verwaltung Zweifel.
Am 27. Juli 1975 antwortet mein Vater an Bürgermeister Hans Endres:
„Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
die Stadt Hersbruck müsste sich nicht schämen, wenn sie das Jahr 1976 zum Anlass nimmt, ihrer 1000-jährigen Geschichte zu gedenken.
Der Ort Hersbruck ist mit aller Sicherheit älter als 1000 Jahre, auch wenn es nicht stimmt, dass Hersbruck „erstmals 976“ in einer Schenkungsurkunde Kaiser Otto II., erwähnt wurde. Ebenso unrichtig wäre es, von einer ersten „urkundlichen Erwähnung“ des Ortes im Jahre 1003 zu sprechen, denn in einer erst 1120 verfassten Übertragung der Chronik des Thietmar von Merseburg von 1013 wird Hersbruck im Zusammenhang mit beschriebenen Kriegshandlungen genannt. Die erste urkundliche Erwähnung stammt tatsächlich erst aus der Schenkungsurkunde Heinrich II. von 1011, in der „‚Haderihesprucga“ ausdrücklich als Bestandteil der Schenkung genannt wird.
Nun lässt sich allerdings aus einem Vidimus (beglaub. Abschrift) des Bischofs Berchtold von Eichstätt aus dem Jahre 1357 – das wiederum nur in einer späteren Abschrift vorhanden ist, in der auch ein Urbar (Besitzverzeichnis) der Propstei Hersbruck enthalten ist, das auf etwa 1270/1280 zu datieren ist (Geiger/Voit, Hersbrucker Urbare, Seiten 17 – 19),- mit gutem Recht rekonstruieren, dass die Güter der Propstei Hersbruck bereits 976 zum Ausstattungsgut des Klosters Bergen gehörten (Geiger, Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg 43/1952 S. 173ff.). Es bestand mit Sicherheit schon vor diesem Datum ein befestigter bayrischer Herzogshof zur Sicherung des Pegnitzübergangs (Brücke!), der 937 vorübergehend als Reichsgut eingezogen und 976 der bayrischen Herzogswitwe als Ausstattung des von ihr gegründeten Klosters Bergen zurückgegeben worden war.
Nachdem 976 das erste greifbare und gesicherte Datum in der Geschichte Hersbrucks ist, glaube ich, dürfte einer 1000-Jahr-Feier bestimmt nichts im Wege stehen.“
In einem weiteren Schreiben vom 21. August 1975 an die HZ reagiert mein Vater mit einem Leserbrief auf einen Artikel der HZ vom 19. August um vor einer ausbrechenden „1000-Jahr-Feier-Euphorie“ im Umland zu warnen:
„…Sicher ist auch das Jahr 976, als die bayerische Herzogswitwe Wiltrud eine Reihe von Gütern auf dem Nordgau, die vorher zum Reich eingezogen worden waren, für ihr neugegründetes Kloster Bergen (b. Neuburg a. d. Donau) zurückerhielt, ein wichtiges Datum für die Geschichte unserer Heimat. Leider gibt es aber keine einzelne Aufzählung der Orte wie in der Urkunde von 1011. Man kann nur aus den späteren Besitzverhältnissen nachweisen, daß es sich dabei um die sog. Propstei Hersbruck gehandelt hatte. Das älteste Urbar (Besitzverzeichnis) der Propstei, das ich aufgrund einer Quellenanalyse auf etwa 1275 datieren konnte, liegt leider auch nur in einer späteren Abschrift einer 1357 vom Eichstätter Bischof beglaubigten Abschrift vor. (Abgedruckt bei Geiger-Volt, Hersbrucker Schriftenreihe der: Altnürnberger Landschaft, Band 15)“

Im September 1975 der Stadtratsbeschluss
Am 16. September 1975 beschloss schließlich der Hersbrucker Stadtrat nach einer “überraschend langen Debatte“ (HZ vom 18.9.75), mit einer Gegenstimme, 1976 eine 1000-Jahr-Feier durchzuführen und delegierte die Ausgestaltung der Feier an den Ausschuss für Öffentlichkeitsarbeit.
Dieser tagte dann im November und Dezember mehrmals, um die Feier vorzubereiten. In diesen Sitzungen wurde der Termin, der Ablauf, eine Festschrift (die ein ganzes Buch – s.o. – wurde) und auch die Darstellung der Geschichte in gespielten Szenen beschlossen.


Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Hersbruck (PPG wurde es erst später) spielten beim Festakt kurze Szenen aus der Geschichte Hersbrucks.
Aus dem Archiv von Dr. Rudolf Geiger, Fotos vermutlich von Walter Plank, 1000 Jahre Hersbruck, 1976
(Achtung beide Fotos wurden mit KI bereinigt und geschärft etc. – Zu den Szenen kommt bald noch ein eigener Post)
Ebenso beschlossen wurde laut Protokoll:
„Es besteht weiterhin Einigkeit darüber, daß der Festkommers mit Ehrengästen (offizieller Teil) sowie das Fest für die Bevölkerung an einem Tag, und zwar am Samstag, 3.7.1976, in einer einzigen Veranstaltung stattfinden soll. Dadurch soll der Gesamtbevölkerung Gelegenheit gegeben werden, an allen Festlichkeiten teilzunehmen. Die Festlichkeiten sollen am Oberen und Unteren Markt unter Einbeziehung des Eisenhüttleins und des Schloßhofes abgewickelt werden. Der offizielle Teil soll um 16.00 Uhr beginnen. Ab ca. 18.00 Uhr soll sich der Abend für die Bevölkerung anschließen.“
„Zur Auflockerung der Veranstaltung wird weiterhin empfohlen, verschiedene Wirte bzw. Brauereien für die Bewirtung der Bevölkerung zu gewinnen. Dabei ist im einzelnen an folgendes gedacht:
- Im Bereich des Eisenhüttleins unter Einbeziehung des Durchganges zum Deutschen Hirtenmuseum und des Museumshofes soll Schrammelmusik geboten und Wein ausgeschenkt werden (Weinlaube),
- am Oberen Markt eine Blaskapelle mit Bierausschank,
- am Unteren Markt eine Beatband (Veranstaltungen für die Jugend),
- am Schloßhof Chorgesänge, Volkslieder und Weinausschank,
- an allen Stellen Bratwurstverkauf, Schaschlikausgabe etc.“
(Selbst die „Weinlaube“, die heute von den „Lions“ betrieben wird, wurde damals bereits beschlossen.)
Aus der 1000-Jahr-Feier entstand das Altstadtfest
Dieses Fest für die Bevölkerung zur 1000-Jahr-Feier kam dann bei der Bevölkerung so gut an, dass schon zwei Jahre später, 1978, daraus das Altstadtfest wurde, das bis heute gefeiert wird. Aber auch 1977 hat man im kleinen Rahmen gefeiert, das kann ich mit Sicherheit sagen. Vom Abend mit den Schotten auf dem Oberen Markt am 6.7.1977, damals im Rahmen eines kleineren Bürgerfestes, habe ich viele Fotos:



