Hersbrucker Alb – WILDE ALB

Hersbrucker Alb – WILDE ALB

Naturschutz durch Tun und Nichttun

Ein Buch, herausgegeben vom Naturschutzzentrum Wengleinpark e.V.

Anfang Januar 2021 erschien dieses wunderbare Buch über die wesentlichen Aspekte der Natur bei uns in der Hersbrucker Alb, bekannt auch als Frankenalb oder Hersbrucker Schweiz. Die Idee zu dem informativen Bildband stammt von Karl Heinlein und Horst Lößl, der auch das Layout entworfen hat und die meisten Fotografien beigesteuert hat. Aber auch andere waren an der Entstehung des Buches beteiligt. Unter anderem auch ich, deshalb finden Sie hier auf meiner Webseite Informationen zu diesem Buch.

Buchtitel Hersbrucker Alb - WILDE ALB

„Dem großen Reichtum an landschaftlichen und geologischen Erscheinungsformen entspricht eine außerordentliche Fülle in Vegetation und Flora, die eine Vielzahl von Pflanzengesellschaften mit über 1000 Pflanzenarten umfasst (darunter über 100 Rote-Liste-Arten) und die Hersbrucker Alb damit zu einer der abwechslungsreichsten und vielgestaltigsten Landschaften Deutschlands macht“

PD Dr. Andreas Hempp, Botaniker, Universität Bayreuth

Das Buch ist gegliedert nach folgenden Hauptthemen, die ich hier der Hutanger-Webseite entnehme und die auch die wesentlichen Aspekte unserer Landschaft beinhalten:

Hutanger

Rinder stehen auf einer Weide, einem Hutanger, die Sonne scheint durch die Bäume
Hutanger Steinensittenbach (aus dem Buch)

Einst hatte jedes Dorf seine (Allmende-) Weideflächen und seinen Hirten, der die Rinder der Bauern betreute. Diese Hutanger sind heute wertvolle Lebensräume für Fauna und Flora. Viele von ihnen werden vom Naturschutzzentrum mit Rinderherden vor Verbuschung bewahrt und damit erhalten.

Blockhalden

Rinder stehen auf einer Blockhalde, umgeben von Wald
Blockhalde im Naturschutzgebiet Molsberger Tal (aus dem Buch)

Unterhalb von Felswänden liegen die ausgedehnten Flächen der Blockhalden. Sie sind ein besonderes Landschaftselement des Albtraufs. Oft wurden sie als Hutanger genutzt und zeigen eine entsprechende Vegetation.
Die immer wieder herabstürzenden und quasi fließenden Kalkblöcke gewähren nur angepassten, lichtliebenden Arten einen Standort zum Überdauern.

Naturnahe Wälder

Bemooste Felsen im Wald
Eibenwald bei Algersdorf (nicht im Buch)

Wildnis macht Wälder reicher. Bäume vieler Generationen und Arten, alte Bäume, stehendes und liegendes Totholz sind Grundlagen der Biodiversität eines Waldes.
Hierfür bieten sich die unzugänglichen bzw. schwer zu bewirtschaftenden Steilhang-, Blockhalden- und Feuchtwälder der Alb mit ihren dynamischen Regenerationsabläufen an.

Dolomitkiefernwälder

Blick aus einem Kiefernwald in die Landschaft
Dolomitkiefernwald bei Velden (nicht im Buch)

Jahrtausende zurück reicht die menschliche Nutzung der lichten, offenen Kiefernwälder auf den Kuppen und Hängen der Alb. Solche Dolomitkiefernwälder sind neben den Hutangern ein weiteres überzeugendes Beispiel, wie Kulturformen und Natur harmonieren und wilde Ursprünglichkeit überdauern lassen können.
Allerdings ist dieser Lebensraum, vorwiegend durch Aufgabe der traditionellen Nutzung, forstliche Maßnahmen und Nutzungsintensivierung angrenzender Agrarflächen, stark gefährdet.

Über das, was das Buch bietet, kann man sicher viel schreiben. Ich lasse hier Karl Heinlein zu Wort kommen, der das Vorwort geschrieben hat, unterbrochen von ein paar Bildern von mir aus dem Buch:

Die Silhouette einer Burg taucht aus dem Nebel auf
Burg Hohenstein, Wahrzeichen der Hersbrucker Alb (aus dem Buch)

Die Hersbrucker Alb ist Teil einer von 30 Hotspot-Regionen der Biodiversität in Deutschland, mit einer besonders hohen Dichte charakteristischer Arten, Populationen und Lebensräumen. Gründe hierfür sind: Die Vielfalt landschaftlicher und geologischer Erscheinungsformen der kleinteiligen Schichtstufenlandschaft, die Nutzungsgeschichte und die Steillagen am Albtrauf. Und: Es gab in den letzten 100 Jahren immer wieder Menschen, die sich konsequent und dauerhaft für den Naturschutz einsetzten und eigene, praxisgerechte Wege gingen.

Als erster ist hier Carl Wenglein (1882-1935) zu nennen, der 1930/31 das 5 Hektar große Carl-Wenglein-Naturschutzgelände bei Eschenbach geschaffen hat, nicht nur „um der Bevölkerung zu zeigen, wie man Naturschutz betreibt, sondern dass auch die großartige Wildnis selbst erhalten bleibt“.

Pionier des praktischen Naturschutzes war Michael Roiger (1892-1987), der bereits 1927 öffentlich die Einrichtung eines „Ausschusses für Naturschutzmaßnahmen“ im Bezirk Hersbruck forderte. Roiger war Jurist am Amtsgericht Hersbruck und Gegner der Nationalsozialisten. Kurz nach deren Machtübernahme 1933 wurde er aus dem Staatsdienst entlassen. Im September 1945 setzten die Amerikaner, auf Vorschlag von Kirchenvertretern, Michael Roiger als Landrat des Kreises Hersbruck ein. 1946 hat unter seiner Leitung ein „Ausschuss für Natur- und Heimatschutz“ ein Konzept für ausgewählte Kultur- und Naturdenkmäler, Hecken und Hutanger beschlossen. In den fast 19 Jahren als Landrat setzte Roiger dieses Schutzkonzept weitgehend in die Praxis um; darüber hinaus wurden Landschaftsschutzgebiete ausgewiesen. Er war ein Politiker und Naturschützer, der das Leben und den Menschen zum Maßstab seines Handelns gemacht hat. Die Bevölkerung brachte ihm über den Respekt hinaus Zuneigung entgegen. Heute wird er weitgehend „beschwiegen“.

Von Naturschutzbildung bis Regionalentwicklung

Blühende Hecken in einer kleingliedrigen Landschaft auf der Fränkischen Alb
Kleingliedrige Landschaft mit Hecken bei Stöppach (aus dem Buch)

Auf Initiative von Michael Roiger und Hans Zeisler (1905-1986; Leiter der Bund Naturschutz- Kreisgruppe Hersbruck/Nürnberger Land) gründeten 1976 Vertreter von Vereinen und Behörden sowie im Naturschutz engagierte Bürger – vom Arbeiter bis zum Professor, den Arbeitskreis Naturschutz Hersbruck. Ziel war die Erhaltung und Entwicklung der naturnahen Kulturlandschaft der Hersbrucker Alb. Auf der Agenda standen vor allem praktischer Artenschutz und Landschaftspflege, Naturschutzforschung, Flächenankäufe sowie Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit. 1985 entstand das kooperative Hutangerprojekt, das noch heute lebendig ist. Aus dem Arbeitskreis gingen 1987 die Ortsgruppe Hersbrucker Land des Bund Naturschutz und das Naturschutzzentrum Wengleinpark hervor.

Unser Naturschutzzentrum wurde 2003 ein eigenständiger Verein und Ökostation des Bundes Naturschutz in Bayern. Seine vielfältige Arbeit ist geprägt durch ein Sowohl-als-Auch, ein Nebeneinander von Theorie und Praxis, Professionalität und ehrenamtlichem Engagement, Schutz und Nutzung, Kooperationsbereitschaft, Landschaftspflege und Erhalt von Wildnis. Kein Entweder/Oder, sondern Natur und Kultur, Tun und Nichttun!

Ein kleiner Bach fliesst durch einen Wald
Schluchtwald bei Hubmersberg (aus dem Buch)

Natürlich ist die „klassische“ Umweltbildung für Kinder und Jugendliche geboten, dennoch darf die Verantwortung nicht nur auf die nächste Generation abgeschoben werden. Am Umgang mit Natur und Landschaft muss sich im Hier und Jetzt etwas ändern. Zielgruppen sind deshalb wichtige Landnutzer wie die Land- und Forstwirtschaft oder die sogenannten „Natursportarten“. Dabei ist uns wichtig, Andersdenkende nicht auszugrenzen, sondern auf der Grundlage von Respekt und Anerkennung einen offenen Diskurs auf Augenhöhe zu führen. Wir wollen uns auf das konzentrieren, was verbindet und gemeinsame Projekte ermöglicht.

In den 90er Jahren wurden z.B. regionale Netzwerke aufgebaut, mit der Gemeinschaft landwirtschaftlicher Direktvermarkter, mit einer Bio-Streuobstinitiative, mit Heimat auf´m Teller und Holz aus der Frankenalb. Das Naturschutzzentrum war ein Pionier des Regionaltages (dem späteren Tag der Regionen); 2007 erfolgte die Gründung des Grünen Zentrums für Wald, Landwirtschaft und Naturschutz, eine Kooperation mit Maschinenring und Forstbetriebsgemeinschaft.. (Infos unter www.naturschutzzentrum-wengleinpark.de, www.hutanger.de, www.hutangerblog.de)

Verschiedene Bäume an einem Hang
Hutanger im Rempfental bei Schupf (aus dem Buch)

Statt den Begriff Natur inflationär und, wie häufig in der Fremdenverkehrswerbung, nur als Kulisse für „Genuss“ und „Action“ zu verwenden, sollte es heute darum gehen, wertvolles Kapital der Natur zu bewahren. Mit Wilde Alb bezeichnen wir die unbedingt schutzwürdigen, weitgehend ungezähmten und sich selbst entwickelnden Bereiche in ihrer lebendigen Vielfalt, die es inmitten unserer Kulturlandschaft tatsächlich noch gibt oder wieder geben soll. Die Bilder im vorliegenden Buch führen uns viel davon vor Augen, in den Texten muss auch manches Kritische dazu angesprochen werden.

Soweit das Vorwort von Karl Heinlein.

Meine Doppelseiten aus dem Buch:

Das Buch ist zu beziehen über:

Den Pfeiffer Verlag & Medienservice GmbH & Co. KG – und

Die Buchhandlung Lösch in Hersbruck (hier nicht im Online Shop)

und das Naturschutzzentrum Wengleinpark, (hier auf deren Seite im Hutangerblog kann man auch im Buch blättern)

Und ergänzend die Info, dass es wohl immer auch ein paar Exemplare bei den Möbelmachern in Unterkrumbach gibt. Ebenso gibt es auf deren Nachhaltigkeitsblog ausführliche Infos sowie eine Rezension aus der Hersbrucker Zeitung zu lesen:
https://www.nachhaltigkeitsblog.de/wildealb.html

Das Buch hat 164 Seiten, kostet 29,90 Euro und hat die ISBN: 978-3-927412-33-0